Heidjer Reetz arbeitet seit 1994 in Hamburg im Verein Vivenda mit, der 1989 gegründet wurde, um selbstverwalteten Wohnraum zu schaffen. Darüber hinaus befasst er sich mit den sozialwissenschaftlichen Grundlagen solcher Initiativen: Das gegliederte Eigentumsrecht für Grund und Boden hat er in einer Arbeit dargestellt, die hier gelesen werden kann. Über das Problem der Käuflichkeit von Grund und Boden und seine mögliche Lösung mit Hilfe des gegliederten Eigentums wird Heidjer Reetz auf der Tagung sprechen.
Als Geschäftsführer der Stiftung trias hat Rolf Novy-Huy schon für viele Menschen die Unverkäuflichkeit ihrer Grundstücke sicher gestellt und so der Bodenspekulation nicht eine Ideologie, sondern die Praxis eines anderen Umgangs mit Grund und Boden entgegengesetzt. Wie aber funktioniert das, wie arbeitet die Stiftung trias? Und wie muß man das Erbbaurecht, das eines der wichtigsten Instrumente der Stiftung ist, richtig einsetzen, wenn man mit seiner Hilfe den Boden dauerhaft dem Immobilienmarkt entziehen will? Diese Fragen wird Rolf Novy-Huy am 18.10. beantworten. Wer möchte, kann hier eine Beschreibung der Stiftung trias und ihrer Tätigkeit von Rolf Novy-Huy lesen.
Seit mittlerweile 4 Jahrzehnten tritt Michael Wilhelmi für einen anderen Umgang mit Grund und Boden ein. Anfang der achtziger Jahre verzichtete er auf sein Eigentum an dem Grundstück in der Eisenbahnstrasse 21 und schenkte es der Bildungs-Initiative Forum Kreuzberg. So hat er selbst erleben können, welche produktiven Kräfte frei werden, wenn man sich gegen den Egoismus und gegen die Kapitalisierung des Bodens wendet. Was für Folgen muß es dagegen haben, wenn man mit dem Boden spekuliert? Was geschieht z.B. durch die fatale Koppelung von Boden- und Kapitalmärkten mit dem Geld? Im Herbst können diese Fragen gemeinsam mit Michael Wilhelmi vertieft werden.
Sylvain Coiplet hat sich die Erforschung und die Verbreitung der sozialen Dreigliederung und damit die Herausnahme des Bodens aus dem Wirtschaftskreislauf zur Lebensaufgabe gemacht. 1998 gründete er in Berlin das Institut für soziale Dreigliederung, das sich der Herausgabe, Übersetzung und Verbreitung von Quellentexten widmet. Die Webseite des Instituts, www.dreigliederung.de, bietet den Dreigliederungsinitiativen ein Forum und stellt Arbeiten zum Thema aus der Zeit von 1792 bis heute kostenlos zur Verfügung. Sylvain Coiplet wird zum Gespräch über eine Frage einladen, die etwas spezieller ist und daher auch für 'Fachleute' interessant sein kann: Wenn der Boden nicht mehr verkauft wird, ist eine Bodennutzungsabgabe dann ein probates Mittel, um einen Ausgleich zwischen den Interessen der Bodennutzer zu schaffen, oder eher nicht?
Falk Zientz ist Bankkaufmann und Politologe. Nach vielfältigen Projekttätigkeiten in Mittel- und Osteuropa arbeitet er seit 1994 bei der GLS Bank, zunächst als Kreditbetreuer, derzeit als Projektentwickler. Er baute u.a. das Deutsche Mikrofinanz Institut auf, hat aber auch mit bürgerschaftlichen Ansätzen gegen den Verkauf von Wohneigentum an Finanzinvestoren zu tun, oder mit Landfonds für die ökologische Landwirtschaft.
Die Stiftung trias fördert Initiativen, die Fragestellungen des Umgangs mit Grund und Boden, ökologischer Verhaltensweisen und neuer Formen des Wohnens aufnehmen. Ihr besonderes Thema ist die Unterstützung gemeinschaftlicher Wohnprojekte. Die Ziele der Projekte können über das bevorzugte Instrument der Stiftung, das Erbbaurecht, gesichert werden. Die Stiftung arbeitet also gegen die Spekulation mit Grund und Boden durch eine aktive Vermögensanlage in Grundstücken, strebt aber selbst kein Eigentum an Gebäuden an. Seit der Gründung im März 2002 sind 10 Grundstücke in das Stiftungsvermögen aufgenommen worden.
Rolf Novy-Huy wird auf der Tagung die Arbeit der Stiftung trias vorstellen und anschließend für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Wer es nicht mehr erwarten kann, der findet hier mehr Informationen über die Arbeit der Stiftung.
Das Mietshäuser Syndikat beteiligt sich an Projekten, damit diese dem Immobilienmarkt entzogen werden. Dabei hilft es mit Know How bei der Projektfinanzierung und sucht Direktkredite für selbstorganisierte Hausprojekte. 38 Hausprojekte und 29 Projektinitiativen bilden mittlerweile einen festen Verbund. Die Häuser gehören jedoch nicht dem Mietshäuser Syndikat: Jedes der bestehenden 38 Hausprojekte ist autonom, d.h. rechtlich selbstständig mit einem eigenen Unternehmen, das die Immobilie besitzt. Der Unternehmensverbund des Mietshäuser Syndikates ist generell offen für neue, selbstorganisierte Hausprojekte; die Beratung ist grundsätzlich kostenlos.
Dipl. Ing. Bernhard Hummel wird die Arbeit des Mietshäuser Syndikats vorstellen, und im Anschluß für Gespräche zur Verfügung stehen. Mehr Informationen über das Mietshäuser Syndikat gibt es hier.
Vivenda